DER STAMMBAUM

Oftmals kommt die Frage auf, ob nun das Huhn oder das Ei zuerst auf der Welt waren. Darüber hinaus gibt es die Evolutionstheorie nach Charles Darwin, von der er selber gar nicht so ganz überzeugt war, die sein Zeitgenosse Ernst Haeckel dennoch mit Leidenschaft verbreitete und bis heute als Lehrstoff in den Schulen und an den Universitäten gilt. Demnach entwickelten sich aus primitiven Einzellern über viele Jahrtausende auch einmal die Menschen, und demnach gilt auch das Recht des Stärkeren, den Schwächeren auszusondern und zu vernichten. Wie ethisch und human das ist, sehen wir heute an der Gleichgültigkeit der Menschen gegenüber den Tieren, die mit uns zusammenleben – noch genauer möchte ich mich dazu an genau dieser Stelle nicht äußern. Die VEDEN sehen das ganz anders …

Wie aus der GENESIS ersichtlich, wird das eigentliche Universum von Vishnu („Der Alldurchdringende“) erschaffen, der selber eine sogenannte vollständige Erweiterung Gottes bzw. Krishnas („Der Allanziehende“) ist. Dieser Prozess geht von einem rein spirituellen Lebewesen, nämlich Gott (Krishna), aus und hat auch zunächst rein geistig-spirituelle Ursachen. Die erschaffene und dann teilweise sogar belebte Materie stellen den planetarischen Himmel dar, an dem sich das eigentliche individuelle Lebewesen (Jiva) selber widerspiegeln, erkennen und auch erfahren kann. Zunächst muss aber aus dem gebildeten Mahat-Tattva (Prakriti) ein erstes verkörpertes Lebewesen überhaupt erschaffen werden, oder – mit anderen Worten – muss die erste individuelle Seele (Jiva) überhaupt eine materielle Verkleidung bzw. Verkörperung bekommen …

In den VEDEN wird diese erste Verkörperung so beschrieben, dass aus Vishnu’s Bauchnabel eine Lotusblume erwuchst, aus der dann das erste verkörperte Lebewesen Brahma ohne irgendwelche Eltern (außer eben Vishnu bzw. Krishna) geboren wurde. Brahma ist damit das einzige verkörperte Lebewesen, das keine gewöhnlichen Eltern hat. Auf sich nun völlig alleine gestellt, wusste Brahma mit sich selber nichts anzufangen, d.h. er wusste weder, wer er ist, woher er kam und was er im Universum überhaupt sollte. Irgendwann auf der Suche nach der entsprechenden Antwort gab er diese ergebnislos sowie verzweifelt auf und verfiel in eine tiefe innere Meditation, in der ihm dann Krishna erschien und offenbarte, was seine Rolle in diesem Universum sein sollte …

Krishna unterwies also Brahma, wie er das Universum zu beleben hatte, und stellte ihm dazu alles notwendige Wissen zur Verfügung. Sehr ähnlich verlaufen auch Meditationen, in die jeder Mensch gehen kann, um mit Gott über verschiedene Lebenssituationen zu sprechen – es sind tatsächlich innere Gespräche mit Gott, auf die an anderer Stelle noch einmal etwas näher eingegangen wird …

Brahma, der ob seiner materiellen Verkörperung nicht mehr Gott (Krishna) selber, sondern sozusagen seine erste verkörperte Seele (Jiva) ist und in dessen Auftrag nun höchste Aufgaben zu erfüllen hat, erschuf nun in vielen Schritten mit zahlreichen Erfolgen und auch Misserfolgen die ersten weiteren (materiell bedingten) Lebewesen und zahlreiche Nachkommen aller Art. In den VEDEN wird davon geschrieben, dass es 8.400.000 verschiedene Arten von Lebewesen in unserem Universum gibt …

Zunächst also erschuf Brahma vier Knaben, die sogenannten Kumara’s, die er damit beauftragte, weitere Nachkommen zu zeugen. Noch der spirituellen Welt sehr verbunden, aus der sie als individuelle Seelen (Jivas) kamen, waren sie dazu aber nicht bereit und wollten sich weiterhin ausschließlich spirituellen, aber nicht den abzusehenden weltlichen Lebensthemen stellen – sie zogen dann als die „vier großen Weisen“ durch das Universum. Dieses Missachten seines Auftrages machte Brahma derart wütend, dass aus seiner Stirn ein weiteres Lebewesen namens Rudra hervorkam, auch als Shiva bekannt. Zu diesem Zeitpunkt also gab es bereits Vishnu, den von ihm geborenen Brahma und dann den aus dessen Stirn hervorgegangenen Shiva

Alle Drei sind die personifizierten Hauptrepräsentanten Gottes (Krisna’s) in unserem Universum und stehen damit zugleich auch für die Verkörperungen der drei „Erscheinungsweisen der materiellen Natur“ (Gunas): Shiva für den Schlaf in Unwissenheit (Tamas), Brahma steht für die schöpferische Leidenschaft (Rajas), Vishnu steht für die Erhaltung (Sattva) und letztlich steht nochmals Shiva für die Zerstörung (Tamas). Brahma und Shiva werden als Halbgötter angesehen, weil sie auch wirklich materiell verkörperte Lebewesen sind (Jivas), und Vishnu selber ist und bleibt Gott (Krishna) in nur einer anderen Form …

Wie ging’s nun weiter ? Aus den VEDEN erfahren wir unter anderem Folgendes:

„Von den Vorvätern, angeführt von Bhṛgu Muni und anderen Söhnen von Brahmā, erschienen viele Kinder und Nachkommen, die verschiedene Formen als Halbgötter, Dämonen, Menschen, Guhyakas, Siddhas, Gandharvas, Vidyād­haras, Cāraṇas, Kindevas, Kinnaras, Nāgas, Kimpuruṣas, und so weiter annah­men. Alle diese vielen universellen Arten, zusammen mit ihren jeweiligen Führern, erschienen mit unterschiedlichen Naturen und Wünschen, die aus den drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur entstanden sind.“ (Srimad Bhagavatam, 11. Canto, Verse 14.5-7)

Was uns selber und das uns umgebende sichtbare Leben betrifft, so ist nun interessant, wen Brahma alles so erschaffen hat. Dazu zählen zahlreiche weitere Gott-zugewandte Halbgötter und auch deren Gegenspieler, die Materie-zugewandten Dämonen, sowie die Tiere, Pflanzen usw. – es gibt Derer also 8.400.000 Arten. Der sich mit der Erschaffung der verkörperten Lebewesen entwickelte Stammbaum aller verkörperten Lebewesen ist außerordentlich lang und breit, so dass ich ihn hier im Anhang nur mit entsprechenden Eckdaten bereitstellen kann. Die darin aufgeführten Dynastien und Namen spiegeln zugleich deren Herkunft oder besonderen Qualitäten wider – das ist auch heute kaum anders, wenngleich kaum noch nachvollziehbar …

Von Bedeutung ist der in den VEDEN immer wieder angesprochene Zusammenhang zwischen der Form der Verkörperung (Art, Gestalt) der Lebewesen mit deren geistig-spirituellem Entwicklungsstand (Guna) und deren Handlungen in der Vergangenheit (Karma). Mit anderen Worten wird darauf klar hingewiesen, dass gewisse Lebensaufgaben und -Themen aus den vorangegangenen Leben im neuen Leben unter Berücksichtigung des zuvor bestandenen geistig-spirituellem Entwicklungsstands eine Fortsetzung finden und dafür eine besonders geeignete Verkörperung (Art, Gestalt) zur Verfügung gestellt bzw. angenommen wird.

Die Menschen selber gehen von Manu aus, wobei auch hier zu erkennen ist, dass es Manu’s mit verschiedenen Namen gibt, weil auch deren Lebenszeiten begrenzt sind (siehe auch hier) und sie wiederum Nachfolger haben. Die vedischen Überlieferungen betrachten die Manu’s als die eigentlichen „Väter der Menschheit“. Für das  gegenwärtige irdische Zeitalter ist Vaivasvata Manu zuständig. Wer mehr über die „familiären“ Verflechtungen nach Brahma’s Ahnenlinie sowie die Qualitäten, Beschäftigungen bzw. Funktionen und Verdienste einzelner Personen erfahren möchte, muss dazu die VEDEN, insbesondere das Srimad Bhagavatam studieren. Anbei daraus (vorab) zwei verschiedene Übersichten:

Ahnentafel / Stammbaum der göttlichen Schöpfung – Version-1
Quelle: Srimad Bhagavatam – Sechster Canto (Glossar)
               nach A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada

Ahnentafel / Stammbaum der göttlichen Schöpfung – Version-2
Quelle: http://www.mahabharata.pushpak.de/pdf/stammbaum.pdf