BEWUSSTSEIN

Die deutsche Sprache ist bei Beschreibungen von Dingen und Vorgängen außerordentlich klar – es liegt lediglich am jeweiligen Wissensstand und der (Un-) Reinheit des Geistes, wenn sich gewisse Personen nur unklar auszudrücken vermögen. So lässt der Begriff „Bewusstsein“ an Klarheit nichts zu wünschen übrig, denn er impliziert die beiden Begriffe „Wissen“ und „Sein“ bzw. „Existenz“ …

In den VEDEN wird Bewusstsein als äußeres Merkmal für das Vorhandensein einer spirituellen Seele verstanden, mit anderen Worten also das Wissen um eine bestimmte lebendige Existenz. Da es jedoch noch viele andere Existenzen bzw. ein (Vorhanden-) Sein von irgend etwas Lebendigem und Nicht- Lebendigem gibt, bezieht sich der Bewusstseins-Begriff nicht ausschließlich auf das Vorhandensein einer Seele, sondern schon ganz allgemein auf die Existenz von irgend Etwas, d.h. von einer Person, einem Ding oder einem Vorgang (Prozess). Wenn man also von einer solchen Existenz weiß, ist man sich ihrer auch mehr oder weniger bewusst …

Die Betonung liegt hier auf „mehr oder weniger“, denn viele Dinge nehmen wir zwar so ganz nebenbei mit wahr, vergessen diese Wahrnehmungen aber gleich wieder. Andere Dinge ignorieren oder bestreiten wir ganz bewusst, weil nach unserem Verständnis einfach nicht sein kann, was nicht sein soll, diese Dinge aber dennoch existieren. Beispielsweise können wir die Sonne hinter den Wolken nicht erkennen, bestreiten aber  aus unseren Beobachtungen und Lebenserfahrungen heraus deren Existenz nicht. Andererseits bestreiten die meisten Menschen aus westlichen, hochindustrialisierten Kulturen aufgrund ihrer atheistischen und scheinbar „objektiven“ Weltanschauung die Existenz von Halbgöttern (Devas), Dämonen (Asuras) und von ihnen so genannten „Fabelwesen“, weil sie diese noch nicht persönlich wahrgenommen haben bzw. ihnen noch nicht begegnet sind. Auch bestreiten einige von ihnen die Gefährlichkeit künstlich (technisch) erzeugter elektromagnetischer Felder und Strahlen, obgleich sie von deren Existenz wissen, nicht jedoch von ihren Eigenschaften. Aus beiden Beispielen ist ersichtlich, dass unvollständiges Wissen oder gar völlige Unwissenheit auch die Unbewusstheit von der Existenz des in Diskussion stehenden Objektes (Person, Ding, Vorgang) zur Folge haben.

Doch kommen wir wieder auf die Existenz der spirituellen Seele zurück, deren äußeres Merkmal das Bewusstsein ist, d.h. das Wissen um die eigene Existenz. Wie kann man das wirklich wissen ? Die einen Philosophen sagen so, die anderen so und viele Vertreter der brahamitischen Religionen, insbesondere des Christentums, sind der Auffassung, über eine neben ihnen stehende Seele zu verfügen, also über ein Ding außerhalb von ihnen selbst. Aus dieser Betrachtungsweise lässt sich unschwer ableiten, dass sich diese (christlichen) Protagonisten mit ihren eigenen Verkörperungen idenzifizieren, also diese Verkörperungen als eigentliches Lebewesen betrachten. Mir ist damit nicht klar, welchen Sinn in einer solchen Religion eine außerhalb stehende Seele noch haben sollte ? Wenn der vergängliche Körper stirbt – wo bleibt denn Das, was mich bisher ausmachte, wo bleibt mein Bewusstsein über die Dinge um mich herum und meine ganz eigene bisherige Existenz … ?

Diese Thematik sehen die VEDEN völlig anders, denn hier sind wir die spirituellen Seelen selbst, die vorübergehend in vergänglichen, materiellen (biologischen) Körpern residieren. Wenn der Körper also stirbt, sterben wir als Seele nicht mit, sondern existieren weiter. Und wo bleibt hierfür der Beweis … ?

Wenn wir vom Sterben eines bis dahin lebendigen Körpers sprechen, sollten wir zunächst die beiden Zustände davor und danach betrachten: Die Körper sind optisch und in ihrer (biologischen, chemischen, physikalischen) Zusammensetzung noch die Gleichen, aber was dann fehlt, ist das frühere Leben darin. Wohin hat sich jetzt diese Trieb- bzw. Lebenskraft (Prana), die den Körper bisher bewegte, zurückgezogen ? Und hat diese Kraft all unser bisheriges Wissen um uns selbst und um das, was wir erlebten, mitgenommen oder ist es ebenfalls gestorben und hat sich in Nichts aufgelöst ? Wenn das so sein sollte, steht sofort die Frage im Raum, welchen Sinn unser doch relativ kurzes Leben überhaupt hat ? Die gute Nachricht einmal dazwischen geschoben: Es gibt tatsächlich einen Sinn und es ist nichts von Dem weg, von Dem wir befürchtet hatten, Es löse sich in ein Nichts auf. Im aufmerksamen Studium der VEDEN erschließt sich mit zahlreichen Beweisen die Antwort.

Es gibt also ein Ereignis, bei dem ein bis dahin lebendiger Körper in einen nicht mehr lebendigen Zustand übergeht, und dieses Ereignis nennt man Tod. Zur Beruhigung der Gemüter sei einmal darauf hingewisen, dass wir bereits in diesem Leben unendlich viele (materiell-biologischen) Tode überlebt haben, ohne es überhaupt zu bemerken, aber schauen wir uns einmal Fotos von unserer Jugend und Kindheit, von gestern oder vor 10 Jahren an, dann wird uns klar, dass sich unsere Körper laufend verändert haben und nicht mehr die alten sind – und wir leben immer noch …

Wenn wir nachts schlafen, wird allmählich das Geschehen um uns herum ausgeblendet, und in unseren Träumen leben wir manchmal bestimmte Dinge aus dem Tagesgeschehen weiter durch. Es gibt dort auch Dinge, von denen wir wissen, dass wir sie im Tagesgeschehen (in diesem Leben) nie erlebt haben, sie uns also fremd sein müssten, aber von uns dennoch im Traum wahrgenommen werden. Abgesehen davon, dass es auch längere traumlose Schlafphasen gibt (zumindest können wir uns an entsprechende Ereignisse überhaupt nicht erinnern), so ist uns in unseren Träumen unsere eigene Existenz immer bewusst. Mit anderen Worten gibt es diese Bewusstheit, ohne dass dabei unsere eigene Verkörperung und die der im Traum mitbeteiligten Personen eine Rolle spielen …

Damit wird allmählich klar, dass wir uns auch körperlos unserer eigenen Existenz und der anderer Personen, Dinge und Vorgänge bewusst sind. Atheistisch-materialistische Wissenschaftler würden behaupten, dass diese Bewusstheit nur so lange möglich ist, so lange wir einen Körper haben – sie würden es sogar alleine auf das Gehirn beziehen. Aber wir können nur von Dingen wissen, die wir selber wahrgenommen oder deren Existenz wir akzeptiert haben, wenn man uns davon informiert hat – ganz gleich, ob sie wirklich existieren oder tatsächlich nur Narrative u.ä. sind. Nun gut, aber wie erklären uns dann diese „Wissenschaftler“ die Erinnerungen an nachprüf- und beweisbare Vorleben ? Bereits ein einziger Fall dürfte dann nicht möglich sein, wenn Wissen oder Bewusstsein nur von der Existenz einer biologischen Verkörperung, genauer gesagt eines gesunden Gehirns, abhängig ist. Und derer Fälle, die Vorleben unwiderlegbar belegen, gibt es nicht gerade wenige und sind Gegenstand zahlreicher Forschungen, denen an dieser Stelle aber nicht weiter nachgegangen werden soll – das überlasse ich dem interessierten Leser selber.

Kurzum ist Bewusstsein, d.h. das Wissen um die Existenz von Personen, Dingen und Vorgängen, immer dann vorhanden, wenn es einen Träger dieses Bewusstseins gibt, nämlich ein Lebewesen, im vedischen Verständnis also eine spirituelle Seele. Gibt es im Umkehrschluss einen solchen Träger nicht, so kann es also auch kein Bewusstsein geben. Diese Aussage impliziert aber auch einen sogenannten „Pferdefuss“, denn auch ein Buch enthält Wissen über imaginäre oder auch wirkliche Personen, Dinge und Vorgänge. Hätte dann nicht auch ein Buch ein Bewusstsein ? Da ein Buch von sich aus nicht aktiv ist, d.h. nicht die geringsten Anzeichen von einem eigenständigen Leben impliziert, seine „Verkörperung“ und seinen Standort bzw. Liegeplatz nicht verändert, sich nicht selbst erhält und schon gar nicht vermehrt, kann es nicht wirklich Träger eines Bewusstseins im vedischen Sinne sein, sondern lediglich ein Datenträger in Form eines Buches. Obgleich der Buchinhalt nicht wirklich verloren geht, wenn das Buch mit der Zeit selber verfällt oder auf irgendeine Weise zerstört werden sollte, so ist das entscheidende Kriterium für das Vorhandensein von Bewusstsein alles Das, was wirkliches Leben ausmacht, und dieses wiederum zeugt von der Existenz einer spirituelle Seele, um die herum sich das Leben abspielt.