Surya – Die Sonne – Suras und Asuras

Im vedischen Verständnis werden einige Begriffe sowohl wortwörtlich als auch symbolisch gebraucht, und ein solcher betrifft u.a. auch die Sonne (Sanskrit = Surya). Allgemein betrachtet man die Sonne als selbstleuchtenden Himmelskörper, um den sich eine Reihe anderer Planeten bewegen, die scheinbar nicht von sich selbst aus leuchten können. Um ihre wahren Eigenschaften zu ergründen, befassen sich mit ihnen recht aufwändig und auch sehr ausführlich die Astronomie und die Astrophysik …

Wenn wir uns die Sonne jedoch „einfach nur mal so“ vornehmen, können wir ihr zuschreiben, dass sie uns ohne Unterlass ihr Licht und ihre Wärme spendet, und zwar ungeachtet davon, wer und wie wir selber im Einzelnen sind … und es auch „verdient“ haben. Ja mehr noch: Die Sonne ist immer da und scheint immer, auch wenn sie zeitweilig von dichten Wolken verdeckt wird oder über Nacht aus unserer Himmelssphäre vorübergehend verschwunden ist – der von ihr angestrahlte Mond (Sanskrit = Chandra) gibt dann mit seinem kalten Licht weiterhin Zeugnis von ihrer Existenz …

Betrachten wir nun die Sonne einmal etwas näher, so müssen wir die Sonne einerseits und ihr Wirken im Kosmos andererseits voneinander trennen: Ohne die Sonne gäbe es nicht deren Ausstrahlungen, die wir u.a. als Licht und Wärme wahrnehmen, aber diese Ausstrahlungen sind nicht die Sonne selber. Mit anderen Worten gibt es also eine ursprüngliche Quelle – nämlich die Sonne – und dann die Absonderungen dieser Quelle – nämlich deren Ausstrahlungen.

Die Lebewesen, so auch wir Menschen, sind mit ihren biologischen Sinnen nicht in der Lage, ausnahmslos alle Ausstrahlungen der Sonne wahrzunehmen: Gemessen an unserem „modernen wissenschaftlichen“ Verständnis nimmt unser Körper im unteren Spektralbereich die Wärme wahr und im oberen Spektralbereich das Licht. Unsere anderen Sinnesorgane (Hören, Riechen, Schmecken) hingegen scheinen die Absonderungen der Sonne nicht wahrzunehmen – sollten wir das akzeptieren oder verstehen wir das einfach nur nicht richtig ? Darauf werde ich in einem anderen Beitrag näher eingehen …

Symbolisch nun steht die Sonne für die Quelle an sich, und ihre Absonderungen (Ausstrahlungen) stehen für das, was sie uns ununterbrochen spendet. In allen uralten Kulturen wird daher die Sonne als Quelle des Lebens verehrt. Menschen, die das uneingeschränkt anerkennen und sich mental bzw. sogar aus dem Herzen heraus dafür bei der Sonne bedanken, werden in den Veden „Suras“ (Sanskrit = Die, die dem Licht zugewandt sind) genannt. Menschen jedoch, die undankbar oder sogar hochmütig die lebensspendenden Energien der Sonne für sich beanspruchen, sich innerlich aber von ihr ab- und der der Dunkelheit zuwenden, werden „Asuras“ genannt (Sanskrit = Die, die dem Licht abgewandt sind) …

Was bedeutet nun diese Symbolik für uns ? Ohne die Sonne als Quelle des Lebens gäbe es kein Leben und auch uns selber nicht. Wenn wir uns dieser Quelle immer zuwenden und sie auch im Herzen in uns tragen, leben wir uns selber, so wie wir wirklich sind. Wenn wir uns jedoch hochmütig aufspielen und glauben, auf die Quelle des Lebens verzichten zu können, geraten wir in die geistige (mentale und emotionale) Dunkelheit. Mit anderen Worten nehmen solche asurisch veranlagten Menschen die von der Sonne gespendete Lebensenergie zwar gerne mit, sind dafür aber undankbar und verachten die Sonne, weil sie glauben, selber ihr mindestens ebenbürtig zu sein – doch ist das wirklich so ?

Auf spiritueller Ebene steht die Sonne für Gott als höchstes Lebewesen an sich, das die geistige Quelle für unseren gesamten Kosmos ist. Es hat noch kein Mensch auch nur im Geringsten beweisen können, ähnlich geniale und komplexe Schöpfungen in der gesamten Natur hervorzubringen, wie es Gott geschaffen hat. In ihrer Allwissenheit, Allgüte, Allmacht und ihren Allreichtümern kann Niemand Gott wirklich übertreffen, und diesen Umstand erkennen Suras freiwillig und uneingeschränkt an – Asuras hingegen neiden Gott um all seine Füllen und spielen sich selbst zu scheinbaren Halbgöttern auf. Die Eigenschaften von Suras und Asuras werden in der vedischen Psychologie sehr genau beschrieben, und es ist interessant zu beobachten, wer in der Gesellschaft welche dieser Eigenschaften in sich trägt, in welchem Beruf, welcher Funktion bzw. Stellung auslebt und welche Folgen das für die unmittelbare Umgebung sowie gesamte Gesellschaft hat …