VEDA-HERKUNFT

„O brāhmaṇa, im gegenwärtigen Zeitalter des Vaivasvata Manu baten die Führer des Universums, angeführt von Brahmā und Śiva, die Höchste Persön­lichkeit Gottes, den Beschützer aller Welten, die Prinzipien der Religion zu ret­ten. Oh glücklicher Śaunaka, der allmächtige Herr zeigte einen göttlichen Funken von einem Teil Seines vollständigen Anteils und erschien dann im Schoß von Satyavatī als der Sohn von Parāśara. In dieser Form, genannt Kṛṣṇa Dvaipāyana Vyāsa, teilte Er die eine Veda in vier.“ (Srimad Bhagavatam 12. Canto, Vers 6.49)

Die VEDEN umfassen damit die vier von Vyāsadeva (s.o.) einst im Satya-yuga aufgeteilten Sammlungen (Saṁhitās) Ṛg-, Yajur-, Sāma- und Atarva-Veda sowie fünftens die Purāṇas. Die vorliegenden Websites beschäftigen sich nur mit den Letzteren, und zwar so, dass sie für den interessierten Leser auch im weltlichen Alltag anwendbar sind. Der Hauptzweck der VEDEN ist die Erkenntnis des Selbst’s und der eigenen Stellung in der gesamten Schöpfung. Mit anderen Worten geht es um die Beantwortung der Fragen, woher man ursprünglich kommt, welchen wirklichen Sinn das gegenwärtige Leben eigentlich hat und wohin man nach dem (biologischen) Tode tatsächlich geht …

Die beim Studium der VEDEN gewonnenen Erkenntnisse führen zu einer weitreichenden Befreiung (Mukti) von allen geistigen Verkrampfungen, die bei der Bewältigung unseres weltlichen Lebens immer wieder aufkommen, weil wir über uns selbst und unser Dasein derart viel erfahren, dass es absolut keine Gründe mehr für niedere Gefühle gibt. Im Ergebnis also wird das hiesige Leben um ein Vielfaches entspannter und leichter. Damit verbunden ist auch eine geistige bzw. psychologische, und in deren Zuge nicht selten sogar körperliche Heilung.

Die VEDEN werden manchmal mit den hinduistischen Religionen gleichgesetzt, sind jedoch ganz im Gegenteil deren philosophische Grundlage. Obgleich sie grundsätzlich Bezüge zum Schöpfer des Universums (Gott bzw. Krishna) aufbauen, verstehen sie sich eher als eine allumfassende und absolute Philosophie, die wiederum aber nicht von irgendwelchen Menschen als Interpretation unseres weltlichen Seins entwickelt wurde, wie z.B. von Platon, Hegel, Nietzsche usw.. Der Zweck aller Religionen (alternativ zu den atheistischen Philosophien) ist ja die Rückverbindung zum Schöpfer (Gott), aber diese Religionen basteln sich oftmals eigene Wege zurecht und kommen letztlich nicht auf einen gemeinsamen Nenner. Das führt dann zu Verwirrungen und Spaltungen innerhalb von Gesellschaften und gießt zudem Öl ins Feuer der Atheisten, die Religionen als „Opium des Volkes“ bezeichnen, ohne diese überhaupt verstehen zu können oder gar zu wollen.

Die VEDEN jedenfalls sind keineswegs ein solches „Opium“, da alle ihre Aussagen in absolut jeder Lebenssituation als wahr überprüft werden können. Mehr noch – sie geben uns die Grundlage dafür, bestimmte Lebenssituationen schnell durchschauen, verstehen und auch bewältigen zu können. Doch zunächst erst einmal zum Verständnis, was die o.a. fünf Komplexe beinhalten:

(1) Ṛg-Veda
Die Rg-Veden werden als der älteste Komplex der VEDEN angesehen und beinhalten 1.017 Hymnen auf höchste Gottheiten, wie z.B. Agni, Indra und Varuna. Diese Gottheiten sind nicht Gott (Krishna) selber, sondern von ihm für die Verwaltung bestimmter Aufgaben im Universum beauftragte Halbgötter, die jedoch aus ihm hervorgegangen sind. So ist beispielsweise Indra sowohl für das Wetter zuständig als zugleich auch das Oberhaupt aller Halbgötter – eine Ähnlichkeit mit dem griechischen Gott Zeus liegt hier wohl nicht fern.

(2) Yajur-Veda
Die Yayur-Veden sind eine komplexe Sammlung von Opferritualen und -sprüchen, die nur von qualifizierten Brahmanas durchgeführt und rezitiert werden dürfen. Hierbei werden Gott (Krishna) oder die Halbgötter in Zusammenhang mit der Darbringung von Opfern geehrt und versorgt oder aber gebeten, bestimmte Lebenssituation zu verbessern oder sicherzustellen.

(3) Sāma-Veda
Die Sama-Veden sind liturgische Gesänge, die sich überwiegend auf Texte der Rg-Veden beziehen. Ihr besonderer Nutzen besteht darin, dass sich in gesungenen Versen vermitteltes Wissen weitaus besser und nachhaltiger einprägt als relativ „trockene“ Rezitationen.

(4) Atharva-Veda
Die Atharva-Veden bestehen aus 731 Hymnen, sind jüngeren Datums als die vorhergehenden Komplexe und beinhalten auch Teile von ihnen.

(5) Itihasas
Die Itihasas werden nicht von allen Gelehrten als echte Bestandteile der VEDEN betrachtet, weisen aber dennoch ihre Merkmale auf – insbesondere nämlich durch den ständigen Bezug zu Gott (Krishna).  Sie beinhalten kaum Gebete, Hymnen und Anweisungen für die korrekte Ausführung von Opferritualen, sondern bestehen hauptsächlich aus geschichtlichen Aufzeichnungen und Erzählungen (Purāṇas). Von den 18 wichtigsten Purāṇas mit einem Gesamtumfang von 40.000 Versen sind das indische Volksepos Mahabharat, die Bhagavad-Gita und insbesondere das Srimad-Bhagavatam die bedeutendsten:

„O brāhmaṇa, die Autoritäten auf diesem Gebiet verstehen ein Purāṇa so, dass es zehn charakteristische Themen enthält: Die Erschaffung dieses Universums, die nachfolgende Erschaffung von Welten und Wesen, die Erhaltung aller Lebe­wesen, ihr Unterhalt, die Herrschaft der verschiedenen Manus, die Dynastien der großen Könige, die Aktivitäten solcher Könige, die Vernichtung, die Moti­vation und die höchste Zuflucht. Andere Gelehrte behaupten, dass die großen Purāṇas diese zehn Themen behandeln, während die weniger bedeutenden Purāṇas vielleicht fünf behandeln.“  (Srimad Bhagavatam, 12. Canto, Verse 7.9-10)

Während dessen das Mahabharat umfassend von einem Krieg berichtet, der sich vor gut 5.200 Jahren nördlich von Dehli (Indien) ereignete, stellt die Bhagavad-Gita eine Szenerie unmittelbar vor Beginn der Hauptschlacht in diesem Krieg dar, die für den Leser philosophisch außerordentlich aufschluss- und lehrreich ist. Man betrachtet im Allgemeinen weltliche Situationen (insbesondere kritische) mit materialistisch geprägten Augen, aber die hier vermittelte Philosophie ist völlig anders und weitaus mehr, als nur geistig befreiend …

Das Srimad-Bhagavatam nun ist das umfassendste Werk, besteht aus 18.000 Versen, die in 12 Cantos (Gesängen) vereint sind. Der Verfasser ist Gott (Krishna) selber in seiner Inkarnation als Vyāsadeva, der der menschlichen Gesellschaft die (o.a. vier) VEDEN in einer viel verständlicheren und im Alltag anwendbaren Form vermitteln wollte. Die Verse sind vor gut 5.000 Jahren schriftlich niedergelegt worden, weil die Menschen mit Beginn des Kali-Yuga für Gesänge, wie sie zuvor immer praktiziert wurden, weniger empfänglich und vergesslicher geworden sind. Auch wurde über eine strikte Lehrer-Schüler-Nachfolge (Parampara) sichergestellt, dass die VEDEN über die folgenden Jahrhunderte und Jahrtausende unverfälscht weitervermittelt und auch verstanden werden – ein außerordentliches Verdienst in unserer Zeit gebührt dafür A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupāda (1896-1977), so u.a. mit der Gründung der Internationalen Gesellschaft für Kṛṣṇa-Bewußtsein (ISKCON) im Jahre 1966.