VEDA und Künstliche Intelligenz

Vorweg eine wahre Geschichte: Als ich einmal vor gut 20 Jahren an einem Wochenende eine damalige Freundin zur (Hatha-) Yoga-Lehrer-Ausbildung nach Berlin begleitete, erwähnte ich, dass „Yoga“ eigentlich etwas Anderes sei, als man weithin glaubt, und noch unter dem Eindruck des gerade vermittelten Lehrstoffs rastete sie unerwartet völlig aus, denn in ihrem „Weltbild“ konnte nicht sein, was nicht wirklich sein darf. Auf der Rückfahrt von Berlin nach Hause griff ich diese „These“ noch einmal auf und stellte zur Diskussion, dass einschlägig benutzte Begriffe einfach nur eine Frage einer allgemeinen Anerkennung bzw. Akzeptanz gewisser Begriffe für gewisse Dinge seien, und führte das Beispiel an, dass ein „Rot“ an einer Verkehrsampel ja auch „Freie Fahrt“ und ein „Grün“ ein „Stop“ bedeuten könnte, denn in in Großbritannien und in Ländern, die sich lange unter britischen Einfluss befanden, gilt ja auch der Links- und nicht der noch viel weiter verbreitete Rechtsverkehr …

Nun – wir leben seit wenigen Jahren unter zunehmend absurden Bedingungen, in denen nahezu Alles völlig auf den Kopf gestellt wird: Beispielsweise wird in der Politik zunehmend ein bisher unter „links“ verstandenes soziales Engagement durch diktatorische und kriegerische Maßnahmen ersetzt und die Gegnerschaft wird unter „rechts“ bzw. „Nazis“ verortet, obgleich sie lediglich den Erhalt der vom Westen Hoch so gepriesenen Demokratie und allgemeine Redefreiheit einfordert. An dieser Stelle möchte ich derer Beispiele nicht weiter aufzählen und vertiefen, aber ich denke, der Leser wird schon verstanden haben, was ich meine …

Und damit kommen wir jetzt zur Künstlichen Intelligenz (KI): Zur Erklärung derer Funktionalitäten ist hier jetzt kein Platz, aber Eines dennoch bekannt, nämlich dass eine KI grundsätzlich auf einen gewissen Fundus an Fakten und Daten sowie Regeln und Algorithmen zurückgreift, die in einer Datenbank (Wissensbasis) abgespeichert sind. Beispielsweise kann man in einer solchen Wissensbasis ausgewählte Stadtpläne aufnehmen, die dann bei einer bestimmten Fragestellung von einer KI interpretiert (genauer gesagt „inferiert„) werden – so funktionieren im Grunde genommen Navigationssysteme. Wenn nun aber die entsprechende Wissensbasis versehentlich mit fehlerhaften oder sogar vorsätzlich mit falschen Informationen versorgt wurde, wird die KI auch derart entstellte Aussagen herausgeben. Und welchen Nutzen hat ein unbedarfter Nutzer davon … ?

In den vedischen Schriften – insbesondere denen, die ich auf meiner Website behandle – werden an diversen Stellen Auseinandersetzungen zwischen den Halbgöttern und den Dämonen besprochen. Spirituell Fortgeschrittene erkennen darin nicht nur die Kämpfe zwischen sich feindlich gegenüberstehenden Personenkreisen (siehe Mahabharat), sondern auch innere Konflikte zwischen einer spirituellen Gott-Zugewandheit bzw. einem tiefen Gott-Vertrauen und einer materialistischen Verirrung bzw. Verführung (siehe Bhagavad-Gita). Wie dem auch sei: In einer derart unruhigen Zeit, wie wir sie seit wenigen Jahren zunehmend erleben, kann man nicht ausschließen, dass die Gegnerschaft einer spirituellen Entfaltung in der menschlichen Gesellschaft auch die KI missbraucht, um Interessierte, Novizen und Dergleichen in die Irre zu führen …

Diese Überlegungen kamen bei mir nämlich auf, weil ich in Gesprächen mit fortgeschrittenen Gottgeweihten hörte, dass auch sie bei bestimmten Fragestellungen gerne mal auf ChatGPT & Co. zurückgreifen. Und auch ich selber habe die KI für die Übersetzungen des 10., 11. und 12. Cantos des Srimad-Bhagavatam aus dem Englischen ins Deutsche mitgenutzt – aber eben nur „mitgenutzt“, und mich nicht unkritisch auf die KI eingelassen. Und genau darin sehe ich die Gefahr, wenn künftig Interessierte, Novizen und Dergleichen, denen der exorbitante Materialismus und Transhumanismus zuwider ist oder die einen sinnvollen Weg aus Gesundheits- und Lebenskrisen suchen, auf ChatGPT & Co. zurückgreifen. Selbst das Befragen derartiger KI-Systeme unter ausdrücklicher Bezugnahme auf die o.a. vedischen Überlieferungen kann Gefahren mit sich bringen, wenn solche Systeme irrtümlich oder sogar vorsätzlich mit falschen oder fehlerhaften Informationen „gefüttert“ wurden (bekanntlich ist auch WIKIPEDIA nicht davon frei) …

Ich möchte daran erinnern, dass es in der neueren Geschichte (New-Age) zahlreiche falsch verstandene und teilweise auch sektiererische spirituelle Strömungen gegeben hat, die viele Menschen in Unbewusstheit (Tamas) und teilweise sogar fehlgeleiteter Leidenschaft (Rajas) verstrickt bzw. gefesselt haben. Und selbst sogenannte Gurus aus Indien, die unbedarfte „Westler“ über Soziale Netzwerke unkritisch anhimmeln, sind nicht immer spirituell fehlerlos – zumindest im vedischen Sinne. Die Welt ist rund und es gibt nichts, was es nicht gibt, denn Alles (einschließlich der Täuschung) geht in Wirklichkeit von der Absoluten Wahrheit aus, die wir u.a. als Gott oder Krishna bezeichnen. Wir sollten uns aber weniger von Äußerlichkeiten (z.B. der KI) blenden als vielmehr vom Inneren (dem Herzen, der Residenz der Überseele) führen lassen, d.h. über die Innenkehr Antworten auf unsere dringendsten Fragen und den wahrhaftigen spirituellen Weg suchen. Man wird mit Sicherheit schnell feststellen, dass uns hierbei die KI nur wenig helfen kann.