WIRKPRINZIPIEN (DOSHAS)

Adäquat zu den (eher geistigen) „Erscheinungsweisen den materiellen Natur“ bzw. „Gunas“ sind die „Doshas“ materielle Wirkprinzipien, die wir in der gesamten Natur sowie auch Gesellschaft vorfinden – bei allen (verkörperten) Lebewesen sowieso. Wir können sie an den äußeren Erscheinungen (z.B. physische Konstitution) und inneren Vorgängen (z.B. Physiologie und Psychologie) recht gut erkennen …

Es gibt drei Wirkprinzipien („Doshas“) mit den Bezeichnungen „Vata“, Pitta“ und „Kapha“, die sich aus dem Zusammenspiel der fünf grobstoffliche Elemente (Raum/Äther, Luft, Feuer, Wasser und Erde) ergeben. Sie repräsentieren jeweils das Prinzip der Bewegung („Vata“), der Umwandlung („Pitta“) und der Manifestation („Kapha“):

(1) Vata = Raum/Äther + Luft = Bewegungs-Prinzip
(2) Pitta = Feuer = Umwandlungs-Prinzip
(3) Kapha = Wasser + Erde = Manifestations-Prinzip

Zum besseren Verständnis bzw. praktischen bildlichen Verinnerlichung möchte ich im Folgenden näher darauf eingehen:

Zu (1) „Vata“ (Bewegungs-Prinzip)
Wenn wir uns einmal Bewegungsprozesse genauer anschauen, dann können wir feststellen, dass sich Etwas durch einen Raum von einer Position zur anderen bewegt. Die signifikanteste Eigenschaft des Raumes (Äther) ist es, dass er begrenzt oder unbegrenzt sein kann, und die Eigenschaft der Luft ist es, sehr subtil und daher leicht beweglich zu sein. Alles, was auch nur irgendwie den äußeren oder inneren Anschein in sich trägt, etwas mit Bewegung zu tun zu haben, hat etwas mit „Vata“ zu tun:

Bei uns selber betrachtet, finden wir das Bewegungs-Prinzip beim Gehen, Steigen, Klettern und Fahren, beim Sehen, Hören, Sprechen und Tasten, beim Essen, Schlucken, Ausscheiden und Schwitzen. In der Natur finden wir es, wenn wir den Zug der Wolken am Himmel oder einen reißenden Fluss beobachten. In der Gesellschaft und Technik finden wir es, wenn Dinge transportiert und Informationen weitergeleitet werden. Nahrungsmittel mit Vata-Wirkung sind bitter und herb.

Zu (2) „Pitta“ (Umwandlungs-Prinzip)
Dieses Prinzip ist immer dort vorzufinden, wo ein ursprünglicher bzw. Ausgangszustand in einen anderen bzw. Endzustand umgewandelt wird. Hierzu eine kleine Eselsbrücke: „Alles was man ins Feuer hineinwirft, kommt so nicht mehr dort heraus“ – weder Holz, Kohle oder Metall, noch alles Andere. Feuer hat nicht nur die Eigenschaft, Licht und Wärme hervorzurufen, sondern gilt als das Transformations-Element schlechthin.

Wo finden wir es vor ?  Bei allen Prozessen, bei denen ein Zustand in einen anderen umgewandelt wird, d.h. bei allen Schöpfungsprozessen im Kosmos, in der Natur, Gesellschaft und Industrie, wie z.B. bei Busch- und Waldbränden, bei gesellschaftlichen Veränderungen und industriellen Fertigungsvorgängen. Wenn Menschen physisch und psychisch an irgend einem Schöpfungsprozess beteiligt sind, wenn im Magen die Verdauung abläuft, wenn man sich aufregt (Cholerik, Übersäuerung, Gewalttätigkeit) und Dergleichen mehr. Nahrungsmittel mit Pitta-Wirkung sind salzig und scharf.

Zu (3) „Kapha“ (Manifestations-Prinzip)
Dieses Prinzip leichter zu erkennen, hilft auch hier eine Eselsbrücke: Wenn nämlich Kinder im Buddelkasten oder am Strand mit Wasser und Sand kleine Kuchen „backen“ und Burgen bauen, die dann erst langsam abtrocknen und längere Zeit bestehen bleiben. Der Schöpfungsprozess selber untersteht noch dem Pitta-Prinzip, aber das Abtrocknen und der längere Bestand der Küchlein und Burgen spiegeln bereits das Kapha-Prinzip wider.

Alle materiellen Dinge, die sich in einem längeren Ruhezustand befinden, befinden sich somit im Kapha, wie z.B. alle natürlichen Verkörperungen (Berge, ruhige Gewässer, Eis, unsere Körper) und künstlich geschaffenen Dinge (Gebäude, Strassen, Fahrzeuge, Maschinen, Möbel, Geschirr), die aus organischen und anorganischen Stoffen verschiedenster ruhender Zustände und Formen bestehen und die Eigenschaften von Wasser und Erde in sich tragen. Nahrungsmittel, die das Kapha-Prinzip in sich tragen, sind sauer und süß.

Abschließend einige praktische Beispiele:

Regelmäßig finden unter Sportlern Marathon-Läufe statt, und die sind schon derart anspruchsvoll, dass man dafür lange mit Leidenschaft trainieren muss. Die Läufe repräsentieren das Vata-Prinzip, die aufkommende Körperwärme das Pitta-Prinzip. Der Wasser-Verlust und das Schwitzen wiederum sind Vata, während denn das getrunkene und wieder ausgeschwitzte Wasser und der Muskelauf- und -abbau für Kapha stehen.

Im Herbst, Winter und Frühling ist es kalt und feucht. Dazu kommen Winde und Vereisungen. Die kalten feuchten Winde stehen für Vata und Kapha, und wenn wir über Eis gehen, ist auch hier Kapha vorzufinden. Wir begegnen diesen Unannehmlichkeiten, indem wir uns vermehrt in warme Räumlichkeiten zurückziehen – die Gebäude sind Kapha, die Wärme ist Pitta.

In der Gesellschaft wächst begründet Unzufriedenheit – es muss sich Etwas ändern. Bevor es dazu kam, müssen Ereignisse abgelaufen sein, die für viele Menschen nicht mehr hinnehmbar sind – es wird darüber gesprochen und geschrieben (Vata), über Änderungskonzepte nachgedacht (Pitta) und letztlich demonstriert (Vata). Ein Grund für eine notwendige Veränderung könnte sein, dass die bisherige gesellschaftliche Struktur zu beengend und  unflexibel geworden ist, sozusagen erstarrte und den Menschen die Luft zum freien Atmen genommen hat – das Alles steht dann für Kapha. Wenn dann gesellschaftliche Veränderungen eintreten, werden Vata und insbesondere Pitta sichtbar.

Man kann derer Beispiele unendlich viele finden, wenn man mit offenen Augen und mehr (vedischem) Wissen durch’s Leben geht. Auf jeden Fall werden Vata, Pitta und Kapha immer in einer Einheit vorzufinden sein, wenngleich mit unterschiedlicher Gewichtung, ab ein oder zwei Doshas ohne die andern geht einfach nicht, denn das Leben im Kleinen und im Großen benötigt immer alle alle drei …

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